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Warum gute Daten im KI-Zeitalter Sichtbarkeit erhöhen

Vasco Sommer-Nunes | 12.03.2026

Lesedauer: 5 min

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Viele Unternehmen behandeln ihre Website wie eine digitale Broschüre: schöne Bilder, ansprechende Texte, vielleicht ein Kontaktformular. Dabei verschenken sie oft die Möglichkeit, ihre Webseite mit strukturierten Daten anzureichern. Das ist eine verpasste Chance. Damit KI-Systeme wie ChatGPT, Google AI oder Perplexity gute Antworten generieren können, benötigen sie gute Daten. Ansonsten müssen sie spekulieren. Wenn Nutzer KIs fragen „Wo kann ich in Berlin das neue Sofa von XY probesitzen?", dann präferieren diese Systeme eindeutige Daten. Ansonsten werden öffentliche Fachhändlerlisten mit Ortsangaben kombiniert.

Dass diese Frage kein Nischenthema ist, zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte Digital: 53 Prozent der befragten Konsumenten, die KI beim Einkaufen nutzen, setzen sie bereits gezielt in der Kategorie Möbel ein – nur Elektronik liegt mit 61 Prozent höher. Vor dem Kauf greifen bereits 25 Prozent aller Befragten zu KI-Tools wie ChatGPT, um sich zu informieren. Bei den sogenannten „Digital Natives" sind es sogar 45 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Studie: 43 Prozent der KI-Nutzer kaufen nach einer KI-Empfehlung bei Plattformen wie Amazon – nur 17 Prozent gehen noch in den stationären Handel. Wer als Händler in den KI-generierten Antworten nicht vorkommt, verliert zunehmend den Zugang zum Kunden – lange bevor dieser ein Geschäft betritt. [1]

Die gute Nachricht: Es gibt einen offenen, kostenlosen Standard, mit dem jeder Webseitenbetreiber seine Inhalte maschinenlesbar machen kann – und sogar aktiv an dessen Weiterentwicklung mitwirken kann. Dieser Standard nennt sich Schema.org. 2011 von Google, Yahoo, Microsoft und Yandex gegründet, definiert er Hunderte von Typen (Person, Produkt, Unternehmen, Veranstaltung...) und Tausende von Eigenschaften, mit denen sich praktisch jede Information beschreiben lässt.

Schema.org: Der unterschätzte Datenstandard   ​

Bisher wurde Schema.org im Wesentlichen von Suchmaschinenoptimierern genutzt – als technisches Mittel für bessere Google-Rankings. Im Zeitalter von KI verdient der Standard eine neue Betrachtung.

Zugegeben: Schema ist nicht cool. Hässlicher Code, der in der Webseite sitzt und dessen Wirkung man nicht immer direkt nachweisen kann. Deshalb wird er von Agenturen nicht gerne verkauft oder nur das Notwendigste umgesetzt – schicke Webseiten oder tolle Social-Media-Posts kann man Kunden besser zeigen. Aber genau das macht strukturierte Daten zur unterschätzten Chance.

Schema.org ist bereits auf über 40 Millionen Webseiten im Einsatz [2]. Google nutzt strukturierte Daten seit Jahren für Rich Snippets – die Sternebewertungen, Preise und Öffnungszeiten, die direkt in den Suchergebnissen erscheinen.

Der eigentliche Vorteil liegt in der Offenheit: Weil Schema.org ein freier Standard ist, können alle Systeme darauf zugreifen – nicht nur Google, sondern auch ChatGPT, Perplexity, Claude und alle KI-Systeme, die noch kommen werden.

In der Praxis bedeutet das: Sie können auf Ihrer Website unsichtbar für menschliche Besucher, aber klar lesbar für Maschinen hinterlegen, dass das „Möbelhaus Beispieleinrichtungen" ein Möbelgeschäft in München ist, das Montags bis Samstags geöffnet hat und Produkte der Marken A und B führt. Diese Information wird dann nicht aus Ihrem Fließtext geraten, sondern als Fakt übernommen.

Wie Sie selbst zum Standard beitragen können

Schema.org ist keine abgeschlossene Spezifikation, sondern ein lebendiges Projekt. Wenn Ihnen eine Eigenschaft fehlt, die für Ihre Branche wichtig wäre, können Sie diese vorschlagen. Der Prozess ist transparent und für jeden zugänglich:

1. Problem identifizieren: Welche Information können Sie mit den bestehenden Eigenschaften nicht ausdrücken?
2. Vorschlag formulieren: Ein Issue auf GitHub (github.com/schemaorg/schemaorg) eröffnen mit konkretem Anwendungsfall.
3. Community-Diskussion: Andere Interessierte kommentieren, verfeinern den Vorschlag, finden einen passenden Namen.
4. Pending-Phase: Akzeptierte Vorschläge werden zunächst als „pending" veröffentlicht und können bereits genutzt werden.
5. Offizielles Release: Nach Prüfung durch die Steering Group wird die Eigenschaft Teil des offiziellen Standards.

Quellen

[1] Deloitte Digital Konsumentenbefragung, Herbst 2025
“Digital Agents - KI übernimmt das Kommando: Wer beeinflusst morgen die Kaufentscheidung?”
[2]  Schema.org - How We Work

Vasco Sommer-Nunes

Gründer showroom.fm

Über showroom.fm:
showroom.fm ist eine Plattform, die es stationären Händlern ermöglicht, ihr Ausstellungsinventar in einem standardisierten, KI-lesbaren Format zu veröffentlichen. Das Berliner Unternehmen initiierte 2025 die displayLocation-Erweiterung für Schema.org und war die erste Plattform weltweit, die das neue Attribut implementierte.

Beispiel für eine umgesetzte Erweiterung: Das “displayLocation” Attribut:
Seit Dezember 2025 kann jeder stationäre Händler mittels des schema Attributes “displayLocation” weltweit maschinenlesbar kommunizieren: „Dieses Produkt ist an diesem Ort ausgestellt." KI-Systeme können diese Information aufgreifen und Fragen wie „Wo kann ich einen Lounge Chair in Dresden probesitzen?" damit präzise beantworten.

Weitere Informationen:
Website: https://www.showroom.fm
Website: https://www.displaylocation.org
LinkedIn: https://de.linkedin.com/company/showroom-fm

Fotocredits: Sebastian Donath